Ernst-Thälmann-Straße
Der Grüngürtel, der Wittenberge vom Stadtwald im Westen bis zum
Clara-Zetkin-Park in der Stadtmitte durchzieht, hat seinen Ursprung in der
vorausschauenden Landkauf-Politik der Stadt. An den Rändern dieser grünen
Oasen entstanden bereits um 1900 öffentliche Gebäude und bevorzugte
Privatadressen. Eine von ihnen war und ist die Ernst-Thälmann-Straße,
vormals Hohenzollernstraße. Hier wurden Reihenvillen errichtet,
ein Haustyp, der in der damaligen Zeit in den gutbürgerlichen Vierteln
vieler norddeutscher Städte verbreitet war.







Das Wohnhaus Ernst-Thälmann-Straße 6 gehört zu einer gründerzeitlichen
Zeile von Reihenvillen in der damaligen Hohenzollernstraße. Sie wurden
um die Jahrhundertwende errichtet und boten unweit des Stadtzentrums repräsentative
Wohnungen mit allem Komfort.
Das Haus Nummer 6 mit seinen gotischen Stilelementen ließ sich der Lehrer
Jenning durch den Maurermeister Rössler errichten.
Seine anspruchsvolle Gestaltung und seine bevorzugte Lage mit Aussicht in den
damals neu angelegten Park bezeugen den gewachsenen Wohlstand eines Teils der
Wittenberger Bevölkerung um die Jahrhundertwende.
Die mit hellen Steinplatten verkleidete Straßenfassade ist mit aufwendigem
neugotischem Dekor spitze Blendbögen, Krabben und Wappenschilder
überzogen. Dominierendes Gestaltungselement ist der Mittelerker
mit geschweifter Dachhaube und Stufengiebel.
Auch wenn einige Details nicht mehr erhalten sind: Das Haus Nummer 6 gehört
zu den qualitätvollsten und auffälligsten Bauwerken des Straßenzuges
und hebt sich deutlich von den übrigen, zumeist ebenfalls in historisierenden
Architekturformen erbauten Gebäuden ab. Seit 1993 ist es ein Baudenkmal.
Das Marie-Curie-Gymnasium wurde um 1900 als städtische Realschule eingeweiht.
Wie bei ihrem Schwesterbau, der Bürgerschule im Jahnschulviertel, beherrschen
roter Backstein und grün glasierte Ornamentziegel das Äußere
der Gebäude. Mit diesen Glasurziegeln wählten Wittenberges Stadtväter
einen ebenso kostengünstigen wie soliden Baustoff für die Verzierung
der Fassaden. Seinerzeit konnte er in der Umgebung der Stadt in zahlreichen
Ziegeleien produziert werden, und noch heute zeigt er kaum Verschleißspuren.
Das Schulgebäude ist 1991 bis 1996 rundum renoviert und restauriert worden.
Der Clara-Zetkin-Park war bis 1909 ein Friedhof. Man hatte die Wittenberger
Begräbnisstätte 1857 vom Rand der Altstadt hierher verlegt, weil
der alte Gottesacker dem Bedarf der aufstrebenden Stadt nicht mehr genügte.
Eine Erholungsstätte für die Lebenden ist der heutige Park erst
seit 1968. Seine uralten Bäume breiten ihre Kronen heute über weitläufige
grüne Wiesen und über spielende Kinder.
