






Das dominante Eckgebäude mit seinem spitzbogigen
Eingang ließ sich der Stellmachermeister Wilhelm Grimm 1930 im
zeitgemäßen Stil erbauen. Heute befindet sich hier unter
anderem das GSW-Beratungsbüro. Nach einer eineinhalbjährigen
Grunderneuerung bestimmt das Haus mit seiner freundlichen Fassade wieder
den kleinen Platz am Steintor.
Die Häuserzeile an der Westseite des Platzes gibt einen guten Eindruck
davon, wie die Altstadt im 19. Jahrhundert ausgesehen hat: Auf schmalen Grundstücken
reihen sich Wohngebäude in Fachwerkbauweise längs der Straße
aneinander. Hinter den Häusern erstrecken sich lange Gartengrundstücke,
auf denen früher ein Gutteil des Gemüsebedarfs der Altstädter
geerntet wurde.
Ein Bewacher des Steintors hat im Torwächterhaus
nie gewohnt. Als es Mitte des vorigen Jahrhunderts errichtet wurde, war das
Stadttor längst außer Betrieb.
Daß inzwischen neben dem Steintor anstelle der unrettbaren Bauruine
ein neuer schmucker Nachfolgerbau steht, ist starken Wittenberger Frauen zu
verdanken. Mitarbeiterinnen einer ABM haben das Fachwerk in der Werkstatt
des Nähmaschinenwerks vorgefertigt und dann wie einen Bausatz auf der
Fundamentplatte neben dem Steintorturm zusammengesetzt.
Der Steintorturm wurde um 1300 als Teil
einer geschlossenen Stadtmauer um Wittenberge errichtet. Das zweite Stadttor
befand sich an der Elbe, dort wo Burg- und Steinstraße wieder zusammentreffen.
Der heute merkwürdig niedrig wirkende Torbogen bot im Mittelalter durchaus
hoch beladenen Wagen Durchfahrt, denn heute steckt der Turm ca. einen Meter
tief im Boden und damit auch das Pflasterniveau der alten Durchfahrt.
Am Steintorturm wurden, nach der Neueindeckung des Daches 1995, 1998 Fassade
und Fenster restauriert.
