






Die städtische Warmbadeanstalt in der Steinstrasse 18 wurde
1902 nach einem Entwurf des Stadtbaurats Bruns errichtet. Hier konnten die Bewohner
der Altstadt und des benachbarten Packhofviertels Wannen- oder Brausebäder
nehmen, denn ihre Wohnungen hatten in der Regel keine Badezimmer. Ein Jahr nach
der Fertigstellung des Bades schenkte es sein Erbauer, der Kommerzienrat Johannes
Runge, der Stadt.
Daß es mit Wittenberge zur Zeit der Gründung des deutschen Reiches
1871 steil aufwärts ging, zeigt der Bau der evangelischen Kirche. Das neue
Gotteshaus im damals modischen Stil der Neogotik fiel um ein Vielfaches größer
aus als sein Vorgänger am gleichen Platz. Eingeweiht wurde es am 28. Oktober
1872.
Zeugnis von der Frühgeschichte des Kirchplatzes legen Eichenbohlen aus
dem 13. Jahrhundert ab, die hier 1998 bei Ausgrabungen geborgen wurden. Heute
stehen sie künstlerisch gestaltet zu einem Kreuz, einer Säule
und einem Kerzenständer im Chor der Kirche.
Seit 1998 wird das Kirchengebäude in Etappen instandgesetzt. Dabei finden
schöne Handwerksarbeiten wie die geschmiedeten Türbänder der
Kirchentüren besondere Aufmerksamkeit.
Das frühere Bauamt Wittenberges, in dem zeitweise auch Haushaltungsunterricht
für gewerblich tätige junge Mädchen erteilt wurde, ist
nach seiner Sanierung mit Bundes- und Landesmitteln sowie mit Zuschüssen
des Partnerlandes Nordrhein-Westfalen ein beliebter Jugendclub geworden. Seit
der Eröffnung 1995 kommen die Besucher der Kochschule teils
aus der Altstadt und teils von weither aus den Neubaugebieten.
Die Gebäude an der Nordseite des Kirchplatzes demonstrieren, zu welch unterschiedlichen
Ergebnissen der Sanierungsprozeß in der Altstadt führen kann. Während
links das Haus des Töpfermeisters Wilhelm Prietzel originalgetreu instandgesetzt
und modernisiert wurde, hat man nebenan ein unrettbar geschädigtes Fachwerkhaus
durch einen Neubau ersetzt. Dieses Gebäude hält ebenfalls die obligatorischen
Gestaltungsmerkmale für Altstadthäuser ein, variiert sie aber auf
moderne Weise: In die Flucht der Nachbarhäuser wurde eine Vor-Fassade gestellt,
während etwa einen Meter dahinter eine durchgehende Glaswand für sehr
viel Licht in den Räumen sorgt.
