










Die Auguststraße stand 1995-96 in nördlicher und südlicher
Richtung ebenfalls auf dem Bauprogramm zur Neuordnung des Verkehrs im Stadtzentrum.
Die Überfahrt über die Bahnstraße wurde dabei gesperrt und
sorgfältig verlegtes Kleinsteinpflaster, Parkhäfen und neue Straßenbäume
machen die Auguststraße zu einer guten Ergänzung des Bummelboulevards.
Avantgarde-Architektur der 20er Jahre prägt das schmale Wohn- und Geschäftshaus
Bahnstraße 42. Charakteristisch für die Klinkerfassade sind die
zu horizontalen Bändern zusammengefaßten Fenster, die sich auch
am gleichzeitig entstandenen Nachbarhaus finden.
An der Ecke Augustraße ging es schon immer um Brötchen und feine
Backwaren. 1927 ließ der Bäckermeister Albert Krüger die Baulücke
mit einem Neubau von zurückhaltender Modernität und mit Schmuckelementen
des Expressionismus schließen. Charakteristisch für die Bauzeit
ist die Verwendung von "Edelputz", der nicht angestrichen, sondern
mit Mineralpigmenten eingefärbt wurde. Auch 70 Jahre nach seiner Verarbeitung
präsentiert er sich hier in der Ursprungsfassung und in erstaunlich
gutem Zustand.
Das Café Hecht erstreckt sich seit 1992 durch zwei benachbarte
Häuser: Bahnstrasse 30 und 32. Die Buntglasfenster des Cafés in
Hausnummer 32 erinnern mit Kanne und Tasse an ein Geschäft, in dem in
der ersten Hälfte des Jahrhunderts feine Kaffee- und Teesorten grammweise
in die Tüten der Wittenberger Feinschmeckerinnen gewogen wurden.
Das Haus Nummer 30, das heute das Werbeschild des Cafés trägt,
hat eine bewegte Umbaugeschichte: Erst 1908, als die Bahnstraße sich
zur Flaniermeile der Wittenberger entwickelt hatte, ließ der Eigentümer,
der Kürschnermeister Jüttner, eine Ladenfront durchbrechen und ein
weiteres Geschoß aufsetzen.
Die Zeit der stürmischen Entwicklung Wittenberges hat Geschäftshaus-Architektur
hervorgebracht, die sich durchaus auf großstädtische Vorbilder
bezieht. So finden sich Art-Deco-Ornamente an der Fassade des ehemaligen Kinos.
